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Lars Leonhard

Lars Leonhard

Lars Leonhard


Seasons - Les quatre saison

Seasons - Les quatre saison

De:Bug (DE)
Das Kokettieren mit Vivaldis Vier Jahreszeiten (die Idee des Künstlers, nicht meine Interpretation) ist schon arg dick aufgetragen, auch wenn der Klassik-Verweis dann doch sehr passend ist. Denn Leonhard – erstmals mit der Sängerin Alvina Red, die den jeweils ersten Tracks der “Jahreszeiten” besingt – ist durch und durch klassisch auf seinem neuen Album. Eine von der Zeit völlig entkoppelte, voll und ganz auf Historizität setzende Vision von elektronischer Musik wird hier präsentiert. Am ehesten vergleichbar mit der endlosen Flut epischer Ansätze auf Source Records, wo der Dancefloor meistens weit weg war und seine Dringlichkeit auch. Subtil dubbig, mit viel Eleganz und Melodie spielt sich Leonhard durch die Jahreszeiten, rutscht manchmal knapp am Esoterischen vorbei (ein generelles Problem beim Dub), ist im gleichen Atemzug aber schon wieder packend, direkt und auf den Punkt. Das passt alles und es sind genau diese Platten, die man nicht nach zehn Minuten schon wieder vergisst.

 

Raveline (DE)
Das Düsseldorfer Urgestein Lars Leonhard vergnügt sich schon seit den frühen 90ern mit dem Produzieren elektronischer Klänge und hat dabei seine Fähigkeiten stetig weiter entwickelt. Sein Sound ist durchgängig von diversen Dub-Elementen zwischen House und Ambient durchzogen und überzeugt durch Raum, Tiefe und Komplexität, die dem Zuhörer doch ein gewisses Mindestmaß an Aufmerksamkeit abverlangen. “Seasons – Les Quatre Saisons” ist nun das dritte Album, welches auf Bine Music erscheinen wird und sicherlich nicht nur für Lars selbst einen Meilenstein bedeutet. In Zusammenarbeit mit der französischen Sängerin Alvina Red entstand das Konzeptalbum, das sich – getreu Vivaldis Prinzip – an den vier Jahreszeiten orientiert und sowohl klanglich wie auch inhaltlich eine ausgedehnte Reise in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus eröffnet. Daher ist es sicherlich am sinnvollsten, dem Schöpfer selbst ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Lars, danke das du Zeit gefunden hast, um ein wenig mit mir über dich und dein neues Album mit Alvina Red zu plaudern.

L: Hi Matthias, na klar gerne doch, freu mich immer sehr über solche Einladungen und es war ja auch längst an der Zeit, dass wir uns mal persönlichen sehen, wir können gern loslegen.

M: Wie würdest du deinen musikalischen Stil selbst beschreiben?
L: Seinen eigenen Stil zu beschreiben würde bedeuten, sich selbst in eine Schublade stecken zu müssen. Ich würde daher lieber auf die Einflüsse eingehen, die meine Tracks ausmachen. Deepe Ambient-, Deep- und Techhouse-Sounds und dubbige Chords sind die wichtigsten Zutaten, aus denen sich mein Style zusammensetzt. Meine Tracks sind meist unter Techno, Deephouse, Techhouse oder Chillout zu finden.

M: Was beeinflusst dich maßgeblich bei deinem Sound (allgemein, besondere Künstler oder Veröffentlichungen)?
L: Ich denke, das alles einfließt, was tagtäglich um mich herum passiert. Gefühle, die Umwelt die Menschen. Ob gute oder weniger gute Erlebnisse, das alles findet sich in meinen Produktionen wieder. Die besten Tracks gelingen meistens dann, wenn ich völlig zufrieden und gechillt an die Sache rangehe. Aggressionen oder Unzufriedenheit haben im Studio nichts zu suchen ich produziere schließlich keine Musik für Abrisspartys.

M: Wie gehst du an deine Produktionen heran?
L: Meine Vorgehensweise an neue Produktionen kann sehr unterschiedlich sein. Mal beginne ich mit den Drums und mal nur mit einer Fläche oder einem bestimmten Sound, der mich inspiriert. Oft sind die ungeplanten Produktionen die Besten. Ganz unbedarft an die Sache rangehen und sich irgendwann dem Prozess völlig hingeben und der Kreativität freien Lauf lassen. Musik zu produzieren stellt für mich kein reines Handwerk da. Ich produziere aus absoluter Liebe und Leidenschaft zur Musik heraus.

M: Gibt es eine Geschichte hinter deinem neuen Album, oder wie kam es dazu?
L: Mein aktuelles Album „Seasons – Les Quatre Saisons“ ist eine Hommage an die Natur. Ich liebe den Zyklus der Natur und den ständigen Wechsel von Farben sowie die Artenvielfalt, die uns umgibt. Ob das Erwachen der Pflanzenwelt, die Rückkehr all der Vögel aus ihren Winterquartieren, der Sommer mit seinen Farben , Düften und seinem Artenreichtum. Der Herbst, die bunten Wälder und mystischen nebligen Stimmungen oder die weiße, weite Stille des Winters. Es war mir eine absolute Herzensangelegenheit, dies alles in einem Album zum Ausdruck zu bringen. Die Produktion der CD hat fast exakt ein ganzes Jahr gedauert und die Tracks wurden zur jeweiligen Jahreszeit entsprechender produziert. Zudem konnte ich ein paar tolle Fieldrecordings in die Produktion mit einbinden. Vogelgezwitscher, das Lachen und Toben einiger Kinder auf einem Spielplatz, Wasserplätschern, ein Gewitter oder das Gezirpe einiger Grillen verleihen dem Album einen noch lebendigeren Touch.

M: Wie genau hat sich die Koop mit Alvina Red ergeben?
L: Die grandiose Zusammenarbeit mit Alvina Red ergab sich durch einen Musikerkollegen aus Perpignan: Lo Nath, besser bekannt als Lo. Er empfahl mir Alvina, als ich ihm von meinem Vorhaben, eine französische Sängerin in mein Album einzubinden, erzählte. Ich habe darauf hin einige Songs von ihr gehört und war mir nach ein paar Sekunden schon sehr sicher, dass sie es sein muss. Die französische Sprache ist ja an sich schon fast ein eigener Gesang und vom Klang her für mich die schönste Sprache der Welt. Daher musste es auch Französisch sein. Alvina entpuppte sich als absolutes Naturtalent für mein Vorhaben. Ich schickte ihr einige unfertige Tracks und das Thema im Groben. Zu meiner großen Freude war sie sofort Feuer und Flamme für die Idee. Sie schrieb daraufhin sehr schöne Texte zu den jeweiligen Jahreszeiten und verschwand in ihrem Studio, um die Vocals aufzunehmen. Für mich ein absoluter Glücksfall und eine Ehre, mit Alvina zusammen zu arbeiten. Sie besingt jeweils den ersten Track jeder Jahreszeit mit ihrer fantastischen Stimme und einer Gelassenheit, dass ich jedes Mal beim Anhören der Tracks wieder Gänsehaut bekomme. Es wird in Zukunft sicherlich weitere Kooperationen mit ihr geben! Ich freue mich riesig auf das Release, welches am 18. März auf dem Essener Label Bine Music und über den Kölner Vertrieb Kompakt erscheint. Als CD und in digitaler Form wird es erhältlich sein.

M: Was ist demnächst noch von dir zu erwarten, was ist geplant?
L: Geplant ist eine Zusammenarbeit mit Laurent Bisch alias (Fingers In The Noise), der im vergangenen Jahr sein Debüt auf Bine Music hatte. Wir haben schon 2011 auf dem Label Glider Records eine Gemeinschafts-EP herausgebracht und harmonieren soundlich sehr gut. Wir beginnen Mitte Februar mit der Produktion des Albums. Darüber hinaus plane ich ein weiteres Soloalbum, ein Konzeptalbum dessen Name ich noch ungenannt lassen möchte, aber soviel sei gesagt: Es wird eine audiovirtuelle Reise durch 12 verschiedene Länder dieser Erde. Spannend, fesselnd und sehr abwechselungsreich. Zum guten Schluss wird es Ende Mai auch noch eine Single-EP von mir auf Diametral geben, die sich dann doch wieder eher am Dancefloor orientiert, stay tuned!!!

M: Das war’s auch schon mit unserem Speed-Interview, danke für die umfangreichen Infos und dafür, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast.
L: Natürlich gerne, hat mich sehr gefreut, jederzeit wieder.

Interview by MFS

 

Coolibri (DE)
„Le quattro stagioni“ von Antonio Vivaldi ist das „Yesterday“ der Klassik. Es gibt unzählige Neuinterpretationen der Komposition, aber letztendlich ist nur das Original von Belang. Nun nähert sich der Düsseldorfer Musiker und Produzent Lars Leonhard dem Thema von der elektronischen Seite und legt als Kooperation mit der schwedischen Sängerin Alvina Red Seasons – Les quatre saison, den potenziellen Soundtrack für das Jahr 2013, vor. Bereits mit seinem rein instrumentalen Debütalbum 1549 zeigte Leonhard, dass Ambient Techno mehr ist als nur die musikalische Untermalung des Sonntagsbrunches und durchaus spannende Geschichten erzählen kann. Konzepttreue ist auch der rote Faden, der sich durch den Nachfolger zieht: Zwölf Tracks beschreiben den periodischen Wechsel der Jahreszeiten, zu jedem Monat wurden Field Recordings gemacht und beinahe exakt ein Jahr dauerte auch die Produktion von Seasons. Der Untertitel verrät, dass der Düsseldorfer zum ersten Mal mit Vocals arbeitet. „Es stand für mich von Anfang an fest, dass die Sprache Französisch sein sollte, denn keine Sprache klingt schöner“, erklärt Lars Leonhard. Auf der Suche nach einer passenden Stimme empfahl ihm ein befreundeter Produzent die Musikerin Alvina Red aus Stockholm. Kurzerhand schickte Leonhard der Schwedin das Konzept und erste Tonskizzen zu. Red zog sich in ihr Studio zurück, wo sie das Konzept mit eigenen Ideen ergänzte und die Jahreszeiten mit Gesangsspuren als Sonett versah. Der Frühling („Le Printemps“) erwacht und leitet über in „Spring Day“, dessen gemächliche Flächen sich mit Vogelgezwitscher und Freudenschreien spielender Kinder zu einer bunten Klanglandschaft verbinden. Der Sommer („L’Été“) kommt mit dubbigen Grooves daher und verzichtet in „Dancing In The Noonday Sun“ konsequent auf Ibiza-Klischees und überzogenes Hi-Hat-Geklapper, was „Summer Storms“ zu einem hypnotischen Hörgenuss macht. Kühler und statischer klingt der Herbst („L’Automne“), in dem Leonhard gekonnt den Herbstregen („Soaking Wet“) inszeniert. Im Winter („L’Hiver“) entschleunigt die Welt keineswegs: „Blizzard“ fegt die Naturbühne frei für den Neubeginn, der bei diesem stilsicher-entspannten Album nur den Druck auf die Repeat-Taste bedeuten kann.

 

Westzeit (DE)
Auch wenn es zwischen beiden einige Schnittmengen gibt, ständig Bine und raster miteinander zu vergleichen, ist nur eine meiner privaten Neurosen. Denn während man in Chemnitz den technoiden Charme der Maschinen und Schaltkreise in beinahe klinischen Versuchsanordnungen seziert, sind Bine-Platten regelmäßig von einer fast hippiesken Liebe zur sanften Schönheit geprägt. So auch hier: Leonhard schüttelte aus weichen Soundfedern ein kuscheliges Klangbett auf, in dem sich - zumindest zeitweise - die distanzierte Stimme der Schwedin Alvina Red ausbreitet. Thematisch befasst sich das Werk mit den Jahreszeiten, wobei die Assoziationen sehr frei sind und man auch während des "Blizzard" in einer "Frozen Landscape" nicht automatisch frösteln muß. Oder beim "Dancing In The Noonday Sun" Schweißflecken zu verbergen hätte. Nein, hier regiert ganz klar entspannter Wohlklang - AmbientChillHouse.

 


 

No Comment

No Comment

Westzeit (DE)
Was waren das für herrliche Zeiten, als ich mit The Orbs "Tower Of Dub" von deren grandioser "Blue Room"-Maxi gern mal auch nächstens die Nerven meiner damaligen Mitbewohner strapazierte (jaja, Opa erzählt wieder von früher). Aber irgendwie versetzt mich diese 12" in genau die Stimmung von vor 20 Jahren: Ambient House galore! Dabei ist "No Comment" in keinem der insgesamt 6 Mixe altbacken, rückwärtsgewandt oder bloß nostalgisch: Zwischen dem Original Edit und Scanners  technopumpendem "Angel Z"-Mix, dem facettenreichen Spurenstapel von Labelmate Touzimsky oder Sven Schienhammers wundervoll basslastigem "Quantec-Mix" liegen nicht nur einige bpm sondern auch Deutungsunterschiede. Gutes Material lässt sich eben auf vielfache Art weiterveredeln. (Text: Karsten Zimalla)

 

Coolibri (DE)
Nach seinem Debüt-Album „1549“, das sich konzeptmäßig mit einem Flugzeugunglück beschäftigte, versorgt der Düsseldorfer Produzent Lars Leonhard Dub-Techno- und Ambient-Freunde jetzt mit thematisch etwas leichterem Nachschub: NO COMMENT heißt seine neue 12‘‘-EP, die neben dem Titelsong in drei Versionen drei Dancefloor-Remixe der Label-Kollegen Sven Schienhammer, Thomas Touzimsky und Scanner bereithält. „No Comment – Original Edit“ prägt ein dicht-dynamischer Sound, der in „Anywhere“ spacig abgewandelt wird. „Before Sunset“ perfektioniert den Chillout-Charakter des Songs, die drei folgenden Remixe bitten dann aber auf die Tanzfläche. (Text: Michael Wenzel)

 

Knut Malskies (DE)
Das ich spätestens seit seinem Debütalbum "1549" ein Fan vom Düsseldorfer Lars Leonhard bin, verwundert niemanden wirklich, der hörbar aufwendig produzierte, und viel mit Liebe zum Detail arrangierte, Ambient Tunes mag. Und auch wenn diese Art Musik, allzu oft und völlig falsch als "Chillout-Geklimper" bezeichnet wird, so zeigt Lars mit seiner neuen EP "No Comment", dass man sich auch durchaus bei Sonnenaufgang mit hoch gerissenen Armen dazu tanzend im Sand im Kreis drehen kann, anstatt bekifft dabei am Lagerfeuer zu liegen. Der Original Edit ist extrem tanzbar, dennoch überhaupt nicht aufdringlich und eben auch etwas fürs geniessende Audio-Gehirn. Eine gelungene Mischung die sowohl Träumerei, als auch Tanzwut hervorruft. Und so richtig "OpenAir spacig" wird es erst, wenn man sich die Remixe von Thomas Touzimsky und Sven Schienhammer auf die Nahfeldmonitore holt und sie einfach mal "wirken lässt"! Wie schreibt man immer in den Promo-Feedbacks? "Massive"!!! Das trifft es wohl am besten. :-) Kurz gesagt, ist "No Comment" eine professionell und mit Herz "erschaffene", tanzbare Dub-Techno-Ambient-EP. Und allein diese Beschreibung ist ein enormes Qualitätsmerkmal für diese Art von elektronsicher Musik. Am 30.04. kommt sie raus. Da bleibt noch genug Zeit für Vorfreude. Viel Glück und Erfolg damit Lars! (www.junkfoodinc.de)

 

Vital Weekly (NE)
Und vielleicht könnte ich das gleiche über Lars Leonhards neue 12" schreiben. Auf der A-Seite bietet Leonhard neben einem "Original Edit" verschiedene Mixe seines eigenen Tracks "No Comment", während die B-Seite Remixe seiner Label-Kollegen Sven Schienhammer, Thomas Touzimsky und Scanner enthält. Seine eigene Arbeit kombiniert - wie auch zuvor schon '1549' (Vital Weekly 798) - Dub, Dance und Ambient, und fügt sich perfekt in die von mir schon seit längerem vorausgesagte Rückkehr des Ambient House ein. Unzählige wabernde Synthesizer, die durch Delays in ihrem Kern die Dub-typische Atmosphäre und Rhythmen erzeugen. Ganz ohne Samples wäre es ein großartiges Introstück für einen Extended-Track von The Orb, ohne zu sehr zu reinem Dancefloor-Material zu werden, während sich die Remixe dagegen eher in Richtung Techno statt Ambient bewegen - sehr schön. Lädt bei warmen Wetter dazu ein, im Freien zu sitzen und mit den Füßen zum 4/4-Takt zu wippen. (FdW)

 


 

1549

1549

electronique.it (It)
Die lange Produktionsgeschichte von BineMusic hat uns immer wieder kleine Klangjuwelen des Deephouse beschert. Eine Erfolgsgeschichte, die 2003 mit dem exzellenten „Feld“ begonnen hat und für die ein Mann verantwortlich ist, der vielleicht der melodischste Byetone aller Zeiten ist, schließlich hat er uns seitdem mit einer ganzen Reihe an emotionalen Spagaten von Leuten wie Move D, Benjamin Brunn, Scanner, Marconi Union und anderen beschenkt.

Heute ist die Stunde von Lars Leonhard, einem Produzenten, von dem man immer noch wirklich wenig weiß und der auf der Plattform Deepindub mit einigen Releases, bei denen Dub im Mittelpunkt steht, zu hören ist.

Sein Debütalbum, das den Titel 1549 trägt, ist eine sehr lange Suite, die insbesondere die Liebhaber der düsteren Hintergründe der elektronischen Musik anspricht. Eine Reise, die ganz entspannt beginnt, mit einem Meister der Vokale, fortgesetzt von der Mitteilung eines Flugbegleiters, welche sogleich von einer der auserlesensten Melodien überflutet wird, die ihrerseits sofort die Regeln klarstellt. Jene Regeln einer Reise, die von mikroskopisch kleinen Details, Luftpolstern, Tautropfen und nicht greifbaren Nebelschichten charakterisiert wird.

“Decision Height” ist all das. Das Stück kommt genauso daher und offenbart ein echtes Talent, welches ein ganzes Füllhorn voller Gefühle und Hingabe für die vollkommene Finsternis in wenige Noten zu fassen vermag. Ein Ozean von Gefühlen, den viele zu beschreiben versuchen und der uns vor eine Reihe von bewegenden und immer neuen Erzählungen stellt. Lars ist einer von den Künstlern, die genau das erzählen, was sie in ihrem tiefsten Inneren fühlen und deren Musik Ausdruck ihrer persönlichen Haltung ist.

“Clear Air Turbulence” macht nichts anderes, als diese Klangspirale, die so überreich an Elementen ist, fortzusetzen. Unzählige Bestandteile, die von Tönen einer Klaviatur zu weitaus organischeren Substraten, zu Schlagfragmenten und unendlichen Klangteppichen werden und schließlich das Gefühl hervorrufen, sich im Zentrum eines inneren Universums zu befinden, in dem die mannigfachen unterschiedlichen Gesichter der Emotionen unablässig rotieren.

Das Werk steigt um zusätzliche Grade und erhebt sich zu einem Ambientklang, sanft geschrieben und jedes Musikstück von unterschiedlichen Gesichtspunkten in Angriff nehmend und daher zu jedem Zeitpunkt wie etwas sehr Komplexes und sorgfältig Gepflegtes klingend. Der Anstieg der Intensität führt das Werk an einen Punkt, an dem der Rhythmus seinem dringenden Wunsch nun endlich einzusetzen nachkommt und so die ganze sorgfältig komponierte Virtuosität mit einem Konzentrat aus Techno und House im Stile des Dub überspielt.

“1549”, das Titelstück des Werkes, markiert tatsächlich den Höhepunkt dieser Explosion und präsentiert sich als Strudel von Gefühlen, die in einem Flechtwerk auf allerhöchster technologischer Ebene mit der Dynamik des Trance flirten. Wir befinden uns nun in der rhythmischen Dimension des Albums, mit wunderbar gedämpften Bässen, die in höchster Auflösung geometrische Figuren skizzieren, während sich an der Oberfläche ein melodisches Gewitter austobt, welches seine Faszination direkt den Ambient-Bereichen des Werkes verdankt, um sich bis in alle Ewigkeit den regelmäßigen Schlägen anzugleichen, die das Ganze auf eine völlig neue Ebene heben.

Das, was am allermeisten beeindruckt, bleibt letztendlich die Sorgfalt, mit der jedes Musikstück vollendet wird. Keine sorglose Auswahl oder mühelose Implementierung, sondern komplexe Arrangements, die unter Verwendung von noch mehr Technik sowie durch eine gewissenhaft ausgewählte Bandbreite an Klängen entstehen. Eine perfekte Symbiose aus Geometrie, millimetergenauen und gewagten Einschnitten, allumfassenden und weitläufigen Sinuskurven, paradiesischen Klaviaturen und suggestiven Hintergründen. Eine CD, die man wieder und wieder anhören kann und die das maximale Klangerlebnis bietet, wenn man sie über Kopfhörer anhört; nachts, oder wie es der Autor dieses Textes gemacht hat, während einer nächtlichen Joggingrunde.

Dreht sie auf, lasst sie herein.

 

thelastbeat.com (DE)
Fieldrecordings treffen auf Dubtechno, so in etwa könnte man die Essenz von Lars Leonhards 1549 zusammenfassen. Tatsächlich ist das eines dieser Alben, deren Detailtiefe und Facettenreichtum sich erst beim mehrmaligen Hören erschließen. Denn es ist immer was los, selbst wenn es zuerst gar nicht so zu sein scheint. Sehr dicht, mit warmen Pads und Flughafen-Samples. Musik zum Reisen, wie man so schön sagt. Funktioniert aber auch für alle Daheimgebliebenen.

 

Vital Weekly (NL)
Nach einem Nachmittag und einem Abend mit Main, Zoviet*France und Lustmord habe ich Zeit, über ein paar Dinge nachzudenken. Über Ambient-Musik, über Live-Musik - und währenddessen läuft diese CD von Lars Leonhard, von dem ich noch nie gehört habe. Natürlich spiele ich sie nicht in der gleichen Lautstärke wie die Musik auf dem Konzert, aber trotz allem läuft sie etwas lauter. Vielleicht werde ich taub oder möchte das Konzertgefühl von letzter Nacht wiederholen?

Die Ambient-Musik, die Teil von Leonhards Welt ist, unterscheidet sich von der von Main, Zoviet*France und Lustmord, obwohl es eine Zeit gab, in der Zoviet*France diese Art von Musik auch spielten: Ambient House. Jede Menge Synthesizer, klickende Dance-Rhythmen und Feldaufnahmen von Flughäfen. Der Titel der CD basiert auf dem US Airways Flug 1549, der 2009 im Hudson River abgestürzt ist, und Leonhard hat dessen Geschichte ausführlich studiert. Dieses Album hätte ebenso gut auch zur Hochzeit des Ambient House 1996 auf Silent Records veröffentlicht worden sein - einer Zeit, in der Silent eines der besten Labels in diesem Genre war und eine experimentellere Position als viele bekanntere einnahm. Leonhards Musik hüpft über die Arpeggios, immer begleitet von dem tickenden Rhythmus und gelegentlichen Dub-Einwürfen (mit der Konzentration auf Delays statt auf pumpende Bässe) auf diesem durch und durch sehr unterhaltsamen Release.

Wie ich bereits sagte: die nächste Rückkehr wird die von Ambient House. Wenn wir erst einmal alle genug von kosmischen Klängen haben und uns nach etwas mehr Rhythmus sehnen, werden wir wieder gemütlich chillen. Bine Music trifft genau den richtigen Zeitpunkt. (FwD)

 

De:Bug (DE)
Erinnerungen an eine unfassbare Notwasserung. 1549, das die Flugnummer des Fliegers, der wie ein Kranich im Hudson in New York landete. Sicher und elegant, aber eben auch enorm verwegen. So schwingt auch das Album mit einem ganz eigenen Puls. Wer immer wieder Schnipsel des Funkverkehrs kurz vor dem Unglück er- wartet, wird enttäuscht. Zum Glück, möchte man sagen, denn das wäre zu einfach. Der Sinkflug der Passagiermaschine liegt als immer latent präsente Metapher über den Tracks, lässt die Dubs noch tiefer strahlen. Denn Leonhard ist ein kleiner Meister der verdubbten Glückseligkeit, verlässt sich ganz auf seinen Instinkt beim Bau dieses Albums, fährt die Motoren ganz langsam hoch, um- schifft die offensichtlichen Verstrudelungen mit lockerer Geste und baut sich so Track für Track sein ganz eigenes Universum. Die abgeblendeten Bleeps weisen den Weg, ganz wie beim klassischen Anflug auf die Landebahn. 1549 ist eine Hommage an den Moment.

 

Coolibri (DE)
Nachdem er bereits 2010 mit atmosphärischen und dennoch clubbigen Nummern "Citylights" aud em BineMusic Label-Sampler aud sich aufmerksam machte, kommt der Düsseldorfer Soundschrauber Lars Leonhard nun - ebenfalls auf dem Essener Label - mit seinem Debütalbum an den Start. Auf 1549 dominieren eher zurückhaltende Klanglandschaften, die Beats halten sich dezent im Hintergrund und überlassen Flächen und sphärischen Klängen das Feld. Der Titel des Albums erinnert an den Flug 1549 der US Airways, der im Jahr 2009 wegen Vogelschlags notlanden musste, und die Tracks erzählen die Geschichte des Ereignisses. Eine schöne Platte, die Lust auf mehr Releases macht.

 

Westzeit (DE)
Schon auf der letzten Bine-Labelkompilation fiel er "mit seinen Twin-Peaksigen, später sehr angenehm groovenden "Citylights" auf (s. WZ 05/10), nun legt der Düsseldorfer sein erstes "richtiges" Album vor. "1549" befasst sich thematisch mit dem zur Legende gewordenen US-Airways-Flugzeug, das wegen Vogelschlags kurz nach dem Start auf dem Hudson River notwasserte (der Abgeklärtheit des Piloten verdanken die Insassen ihr Leben). Auch das Album wird von sanften Synthieflächen dominiert und fließt ruhig und doch zielstrebig durch fein dosierte Effekt(ein)streuungen. Leonhard durfte zwar aus juristischen Gründen keine Schnipsel des Original-Funkverkehrs einbauen, löst das Problem aber mit anderen Flug-affinen Samples recht souverän.

 

HeimatDesign (DE)
... Lars Leonhard nahm ein sattes Gelb. Der Düsseldorfer Musiker, einst Mitglied der Band Chaos Digital, sorgte bei der Expo2005 in Japan für die Beschallung des deutschen Pavillons. „1549“ ist sein erstes Soloalbum. Ein atmosphärisch dichtes, spannendes und vor allem betont ruhiges Werk. Der Titel bezieht sich auf die Flugnummer jenes Airbus A320, der im Jahr 2009 in einer Höhe von knapp tausend Metern mit Kanadagänsen kollidierte und im Hudson notwassern musste. Alle Passagiere überlebten den Crash. Für das Cover hätte man spektakuläre Bilder finden können, doch das ist nicht der Stil der Essener. „Auf plakatives Bildmaterial oder eindeutige Soundschnipsel haben wir bewusst verzichtet“, erklärt Rößger. „Das wäre zu billig gewesen.“

 

Uni-Magazin Düsseldorf (DE)
Im November erschien seine erste komplett eigene CD. Er hat sie „1549“ genannt. Das ist die Flugnummer jenes spektakulären US-Airways-Flugs, der am 15. Januar 2009 von New Yorker LaGuardia Flughafen in Richtung Seatle starte und sechs Minuten später, um 15.32 Uhr, im Hudson notwasserte, weil ein Schwarm kanadischer Wildgänse in die Turbinen geraten war. Passagiere und Besatzung, zusammen 155 Menschen, konnten den Airbus verlassen. „1549“ ist, wenn man so will, ein elektronisches Stimmungsgemälde. Die CD beginnt dann auch, konsequent, mit Flughafendurchsagen. Weshalb diese Rahmenthematik? „Ich hab damals in den Nachrichten von dem Flug gehört. Bei Youtube hab ich dann den originalen Funkverkehr entdeckt und mir gedacht: ‚Da  musst Du noch was zugeben’. So kam es zur Musikproduktion einer sensationellen Notwasserung.“ Ursprünglich wollte Leonhard den Funkverkehr zwischen dem Cockpit und dem New Yorker Tower als Tondokumente und Zitate in die Musik mit einbeziehen. Aber aus juristischen Gründen war das nicht möglich.

 


 


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