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Seasons - Les quatre saison

Seasons - Les quatre saison

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Seasons - Les quatre saison

De:Bug (DE)
Das Kokettieren mit Vivaldis Vier Jahreszeiten (die Idee des Künstlers, nicht meine Interpretation) ist schon arg dick aufgetragen, auch wenn der Klassik-Verweis dann doch sehr passend ist. Denn Leonhard – erstmals mit der Sängerin Alvina Red, die den jeweils ersten Tracks der “Jahreszeiten” besingt – ist durch und durch klassisch auf seinem neuen Album. Eine von der Zeit völlig entkoppelte, voll und ganz auf Historizität setzende Vision von elektronischer Musik wird hier präsentiert. Am ehesten vergleichbar mit der endlosen Flut epischer Ansätze auf Source Records, wo der Dancefloor meistens weit weg war und seine Dringlichkeit auch. Subtil dubbig, mit viel Eleganz und Melodie spielt sich Leonhard durch die Jahreszeiten, rutscht manchmal knapp am Esoterischen vorbei (ein generelles Problem beim Dub), ist im gleichen Atemzug aber schon wieder packend, direkt und auf den Punkt. Das passt alles und es sind genau diese Platten, die man nicht nach zehn Minuten schon wieder vergisst.

 

Raveline (DE)
Das Düsseldorfer Urgestein Lars Leonhard vergnügt sich schon seit den frühen 90ern mit dem Produzieren elektronischer Klänge und hat dabei seine Fähigkeiten stetig weiter entwickelt. Sein Sound ist durchgängig von diversen Dub-Elementen zwischen House und Ambient durchzogen und überzeugt durch Raum, Tiefe und Komplexität, die dem Zuhörer doch ein gewisses Mindestmaß an Aufmerksamkeit abverlangen. “Seasons – Les Quatre Saisons” ist nun das dritte Album, welches auf Bine Music erscheinen wird und sicherlich nicht nur für Lars selbst einen Meilenstein bedeutet. In Zusammenarbeit mit der französischen Sängerin Alvina Red entstand das Konzeptalbum, das sich – getreu Vivaldis Prinzip – an den vier Jahreszeiten orientiert und sowohl klanglich wie auch inhaltlich eine ausgedehnte Reise in die tiefsten Tiefen des Kaninchenbaus eröffnet. Daher ist es sicherlich am sinnvollsten, dem Schöpfer selbst ein paar Fragen zu stellen.

Hallo Lars, danke das du Zeit gefunden hast, um ein wenig mit mir über dich und dein neues Album mit Alvina Red zu plaudern.

L: Hi Matthias, na klar gerne doch, freu mich immer sehr über solche Einladungen und es war ja auch längst an der Zeit, dass wir uns mal persönlichen sehen, wir können gern loslegen.

M: Wie würdest du deinen musikalischen Stil selbst beschreiben?
L: Seinen eigenen Stil zu beschreiben würde bedeuten, sich selbst in eine Schublade stecken zu müssen. Ich würde daher lieber auf die Einflüsse eingehen, die meine Tracks ausmachen. Deepe Ambient-, Deep- und Techhouse-Sounds und dubbige Chords sind die wichtigsten Zutaten, aus denen sich mein Style zusammensetzt. Meine Tracks sind meist unter Techno, Deephouse, Techhouse oder Chillout zu finden.

M: Was beeinflusst dich maßgeblich bei deinem Sound (allgemein, besondere Künstler oder Veröffentlichungen)?
L: Ich denke, das alles einfließt, was tagtäglich um mich herum passiert. Gefühle, die Umwelt die Menschen. Ob gute oder weniger gute Erlebnisse, das alles findet sich in meinen Produktionen wieder. Die besten Tracks gelingen meistens dann, wenn ich völlig zufrieden und gechillt an die Sache rangehe. Aggressionen oder Unzufriedenheit haben im Studio nichts zu suchen ich produziere schließlich keine Musik für Abrisspartys.

M: Wie gehst du an deine Produktionen heran?
L: Meine Vorgehensweise an neue Produktionen kann sehr unterschiedlich sein. Mal beginne ich mit den Drums und mal nur mit einer Fläche oder einem bestimmten Sound, der mich inspiriert. Oft sind die ungeplanten Produktionen die Besten. Ganz unbedarft an die Sache rangehen und sich irgendwann dem Prozess völlig hingeben und der Kreativität freien Lauf lassen. Musik zu produzieren stellt für mich kein reines Handwerk da. Ich produziere aus absoluter Liebe und Leidenschaft zur Musik heraus.

M: Gibt es eine Geschichte hinter deinem neuen Album, oder wie kam es dazu?
L: Mein aktuelles Album „Seasons – Les Quatre Saisons“ ist eine Hommage an die Natur. Ich liebe den Zyklus der Natur und den ständigen Wechsel von Farben sowie die Artenvielfalt, die uns umgibt. Ob das Erwachen der Pflanzenwelt, die Rückkehr all der Vögel aus ihren Winterquartieren, der Sommer mit seinen Farben , Düften und seinem Artenreichtum. Der Herbst, die bunten Wälder und mystischen nebligen Stimmungen oder die weiße, weite Stille des Winters. Es war mir eine absolute Herzensangelegenheit, dies alles in einem Album zum Ausdruck zu bringen. Die Produktion der CD hat fast exakt ein ganzes Jahr gedauert und die Tracks wurden zur jeweiligen Jahreszeit entsprechender produziert. Zudem konnte ich ein paar tolle Fieldrecordings in die Produktion mit einbinden. Vogelgezwitscher, das Lachen und Toben einiger Kinder auf einem Spielplatz, Wasserplätschern, ein Gewitter oder das Gezirpe einiger Grillen verleihen dem Album einen noch lebendigeren Touch.

M: Wie genau hat sich die Koop mit Alvina Red ergeben?
L: Die grandiose Zusammenarbeit mit Alvina Red ergab sich durch einen Musikerkollegen aus Perpignan: Lo Nath, besser bekannt als Lo. Er empfahl mir Alvina, als ich ihm von meinem Vorhaben, eine französische Sängerin in mein Album einzubinden, erzählte. Ich habe darauf hin einige Songs von ihr gehört und war mir nach ein paar Sekunden schon sehr sicher, dass sie es sein muss. Die französische Sprache ist ja an sich schon fast ein eigener Gesang und vom Klang her für mich die schönste Sprache der Welt. Daher musste es auch Französisch sein. Alvina entpuppte sich als absolutes Naturtalent für mein Vorhaben. Ich schickte ihr einige unfertige Tracks und das Thema im Groben. Zu meiner großen Freude war sie sofort Feuer und Flamme für die Idee. Sie schrieb daraufhin sehr schöne Texte zu den jeweiligen Jahreszeiten und verschwand in ihrem Studio, um die Vocals aufzunehmen. Für mich ein absoluter Glücksfall und eine Ehre, mit Alvina zusammen zu arbeiten. Sie besingt jeweils den ersten Track jeder Jahreszeit mit ihrer fantastischen Stimme und einer Gelassenheit, dass ich jedes Mal beim Anhören der Tracks wieder Gänsehaut bekomme. Es wird in Zukunft sicherlich weitere Kooperationen mit ihr geben! Ich freue mich riesig auf das Release, welches am 18. März auf dem Essener Label Bine Music und über den Kölner Vertrieb Kompakt erscheint. Als CD und in digitaler Form wird es erhältlich sein.

M: Was ist demnächst noch von dir zu erwarten, was ist geplant?
L: Geplant ist eine Zusammenarbeit mit Laurent Bisch alias (Fingers In The Noise), der im vergangenen Jahr sein Debüt auf Bine Music hatte. Wir haben schon 2011 auf dem Label Glider Records eine Gemeinschafts-EP herausgebracht und harmonieren soundlich sehr gut. Wir beginnen Mitte Februar mit der Produktion des Albums. Darüber hinaus plane ich ein weiteres Soloalbum, ein Konzeptalbum dessen Name ich noch ungenannt lassen möchte, aber soviel sei gesagt: Es wird eine audiovirtuelle Reise durch 12 verschiedene Länder dieser Erde. Spannend, fesselnd und sehr abwechselungsreich. Zum guten Schluss wird es Ende Mai auch noch eine Single-EP von mir auf Diametral geben, die sich dann doch wieder eher am Dancefloor orientiert, stay tuned!!!

M: Das war’s auch schon mit unserem Speed-Interview, danke für die umfangreichen Infos und dafür, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast.
L: Natürlich gerne, hat mich sehr gefreut, jederzeit wieder.

Interview by MFS

 

Coolibri (DE)
„Le quattro stagioni“ von Antonio Vivaldi ist das „Yesterday“ der Klassik. Es gibt unzählige Neuinterpretationen der Komposition, aber letztendlich ist nur das Original von Belang. Nun nähert sich der Düsseldorfer Musiker und Produzent Lars Leonhard dem Thema von der elektronischen Seite und legt als Kooperation mit der schwedischen Sängerin Alvina Red Seasons – Les quatre saison, den potenziellen Soundtrack für das Jahr 2013, vor. Bereits mit seinem rein instrumentalen Debütalbum 1549 zeigte Leonhard, dass Ambient Techno mehr ist als nur die musikalische Untermalung des Sonntagsbrunches und durchaus spannende Geschichten erzählen kann. Konzepttreue ist auch der rote Faden, der sich durch den Nachfolger zieht: Zwölf Tracks beschreiben den periodischen Wechsel der Jahreszeiten, zu jedem Monat wurden Field Recordings gemacht und beinahe exakt ein Jahr dauerte auch die Produktion von Seasons. Der Untertitel verrät, dass der Düsseldorfer zum ersten Mal mit Vocals arbeitet. „Es stand für mich von Anfang an fest, dass die Sprache Französisch sein sollte, denn keine Sprache klingt schöner“, erklärt Lars Leonhard. Auf der Suche nach einer passenden Stimme empfahl ihm ein befreundeter Produzent die Musikerin Alvina Red aus Stockholm. Kurzerhand schickte Leonhard der Schwedin das Konzept und erste Tonskizzen zu. Red zog sich in ihr Studio zurück, wo sie das Konzept mit eigenen Ideen ergänzte und die Jahreszeiten mit Gesangsspuren als Sonett versah. Der Frühling („Le Printemps“) erwacht und leitet über in „Spring Day“, dessen gemächliche Flächen sich mit Vogelgezwitscher und Freudenschreien spielender Kinder zu einer bunten Klanglandschaft verbinden. Der Sommer („L’Été“) kommt mit dubbigen Grooves daher und verzichtet in „Dancing In The Noonday Sun“ konsequent auf Ibiza-Klischees und überzogenes Hi-Hat-Geklapper, was „Summer Storms“ zu einem hypnotischen Hörgenuss macht. Kühler und statischer klingt der Herbst („L’Automne“), in dem Leonhard gekonnt den Herbstregen („Soaking Wet“) inszeniert. Im Winter („L’Hiver“) entschleunigt die Welt keineswegs: „Blizzard“ fegt die Naturbühne frei für den Neubeginn, der bei diesem stilsicher-entspannten Album nur den Druck auf die Repeat-Taste bedeuten kann.

 

Westzeit (DE)
Auch wenn es zwischen beiden einige Schnittmengen gibt, ständig Bine und raster miteinander zu vergleichen, ist nur eine meiner privaten Neurosen. Denn während man in Chemnitz den technoiden Charme der Maschinen und Schaltkreise in beinahe klinischen Versuchsanordnungen seziert, sind Bine-Platten regelmäßig von einer fast hippiesken Liebe zur sanften Schönheit geprägt. So auch hier: Leonhard schüttelte aus weichen Soundfedern ein kuscheliges Klangbett auf, in dem sich - zumindest zeitweise - die distanzierte Stimme der Schwedin Alvina Red ausbreitet. Thematisch befasst sich das Werk mit den Jahreszeiten, wobei die Assoziationen sehr frei sind und man auch während des "Blizzard" in einer "Frozen Landscape" nicht automatisch frösteln muß. Oder beim "Dancing In The Noonday Sun" Schweißflecken zu verbergen hätte. Nein, hier regiert ganz klar entspannter Wohlklang - AmbientChillHouse.